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Nicht
alltäglich ist ein Besuch in der Goldenen Nudel in Ober-Ramstadt
bei Darmstadt. Nur Insider finden den Weg, denn kein Schild weist
auf des besondere Restaurant hin. Der Hinweis auf das Handwerkerhaus
hilft weiter: Nach der Shell-Tankstelle findet sich das Emblem -
blaue Hand mit darin liegendem Auge - hier ist man richtig! Nach
der Einfahrt erscheint das große Gebäude, linker Hand
fließt die Modau, über den ein Steg direkt in die Räumlichkeiten
führt. In dem alten Industriegebäude sind neben dem Restaurant
auch Ateliers von Kunsthandwerkern und Designern zu finden, derzeit
arbeiten dort ein Uhrmacher, eine Hutmacherin, eine Modedesignerin
und eine Keramikern. Ihre Werkstätten grenzen direkt an einen
Nebenraum des Restaurants und sind für Gäste zugänglich.
Am Abend aber bildet
der Gastraum das Herzstück der ehemaligen Nudelfabrik. Geschickt
ist das Restaurant durch niedrige Mauern unterteilt, hohe Sprossenfenster
lassen den Blick ins Grün nach draußen schweifen. Die
Räume zeugen von einer erlesenen Einfachheit: hohe weiße
Wände, an denen wechselnde Ausstellungen befreundeter Künstler
gehängt sind. Auf dem Dielenboden kommen weiß gestrichene
Holzmöbel gut zur Geltung, Kerzen und freundliche Blumenarrangements
dekorieren die Tische: Eine lichte Atmosphäre empfängt
den Gast, die abends durch viele Kerzen und wenig künstliches
Licht sehr stimmungsvoll wird. Freundliche Bedienung, die handgeschriebene
Speisekarte - täglich wechselnd - und die Anwesenheit der sympathischen
Gastgeber machen den unvergleichbar persönlichen Stil des Hauses
aus.
Vor 18 Jahren eröffneten
Ingo und Angi Hablik ihre Goldene Nudel. Nicht nur die besondere
Lokalität, sondern auch die ausgefallenen Küchenkreationen
fanden schnell viele Anhänger. Die einfallsreichen Gastgeber
wechseln sich inzwischen am Herd ab, wobei sich beide wunderbar
ergänzen. Während Ingo, ein Liebhaber vor allem der französischen
und italienischen Küche, das Bodenständige schätzt,
lässt Angi ihre Kreativität nur so sprühen. Dass
beide das Kücheneinmaleins beherrschen, steht außer Frage.
Souverän gehen sie mit Zutaten und Beilagen um und zaubern
ungeahnte Geschmacksverbindungen. Wildtopf mit Kokossauce und Semmelknödeln
oder Steinbeißerfilet auf Endiviengemüse, Großer
Saibling mit Ratatouille oder ein Rosmarinkartoffelgratin - die
Zutaten sind einfach und jahreszeitlich orientiert, aber jedes Gericht
hat seine Raffinesse.
«Die Ideen für
Gerichte kommen ganz von selbst» antwortet Angi auf die Frage,
wie man täglich eine solche Fantasie entfalten kann. Keine
zwanghafte Ausprobiererei, sondern Neugier, Kenntnis und vor allem
Freude am Kochen kennzeichnen den Stil der Goldenen Nudel. Dass
die beiden auf frische Zutaten, meist Gemüse und Salat aus
Bio-Anbau, setzen und vieles bei regionalen Vermarktern kaufen,
versteht sich fast von selbst. «Wenn der Feldsalat aus Bio-Anbau
einfach viel schmackhafter ist, warum sollte ich dann einen anderen
kaufen», so einfach hört sich ihre Philosophie aus Ingos
Mund an. Er pflegt zu vielen Bauern gute Kontakte und weiß,
auf welchem Wege ihre Produkte entstehen. Auch seine Weine kauft
er bei ihm gut bekannten Händlern und Winzern. Im gut gefüllten
Vinidor lagern vor allem ausgesuchte Bordeaux-Weine; auch bei den
offenen Weinen dominieren französische Rotweine. Die Karte
bietet, neben anderen, aber auch Bio-Weine und schöne deutsche
Weißweine, alles zu sehr moderaten Preisen.
(Outback-Magazin, Januar 2005)
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